Strategischer Plan 2029-2032
Der ETH-Bereich will der Schweiz in der Periode 2029–2032 wirksam dienen, indem er die Wissenschaft voranbringt, Bildungs- und Forschungsleistungen von höchster Qualität erbringt und die Innovation sowie den Wissens- und Technologietransfer fördert; zudem will er international äusserst wettbewerbsfähig bleiben.
Geopolitische Instabilität, technologischer Wandel, die rasante Entwicklung der KI und sich wandelnde Arbeits- und Lernformen verändern etablierte akademische Routinen und Anreizsysteme tiefgreifend. In diesem Umfeld muss der ETH-Bereich rechtzeitig Prioritäten setzen, ohne dabei seine hohen Standards zu gefährden. Für die Periode 2029–2032 identifiziert der ETH-Rat sechs systemweite Herausforderungen, mit denen der ETH-Bereich in den kommenden Jahren konfrontiert sein wird und die tiefgreifende Auswirkungen auf die Schweiz und auf ihr Bildungs-, Forschungs- und Innovationssystem haben werden. Sie zeigen systemische, gesellschaftliche und geopolitische Rahmenbedingungen auf, die das Umfeld des ETH-Bereichs prägen.
- Strategische Entscheidungen in einer unsicheren und sich rasch wandelnden Welt treffen
- Talente der Zukunft vorbereiten: Hochschulbildung an gesellschaftliche Bedürfnisse anpassen
- Akademische Freiheit wahren
- Forschung in einer komplexen geopolitischen Landschaft betreiben
- Die Translation von Forschung und Innovation in die Anwendung beschleunigen
- Brücken bauen und Inklusion gewährleisten
Strategie 2029–2032
Die Strategie 2029–2032 stützt sich auf die folgenden Komponenten:
- (A) die vom ETH-Rat für die Periode 2029–2032 festgelegten spezifischen Strategischen Schwerpunkte und Transversalen Schwerpunkte,
- (B) die Aufgaben, für welche die Institutionen im Rahmen ihres Auftrags gemäss ETH-Gesetz und den Strategischen Zielen des Bundesrats verantwortl-ich sind, und
- (C) die langfristige Organisationsentwicklung des ETH-Bereichs.
A. Strategische Schwerpunkte und Transversale Schwerpunkte
Für 2029–2032 identifiziert der ETH-Rat fünf Strategische Schwerpunkte und drei Transversale Schwerpunkte, in denen die Institutionen des ETH-Bereichs einzeln und durch Zusammenarbeit eine starke Wirkung entfalten können.
Die Strategischen Schwerpunkte und die Transversalen Schwerpunkte weisen Verbindungen und Synergien untereinander auf, mit mehreren Themen, die sich über verschiedene Schwerpunkte hinweg überschneiden. Sie werden von den Institutionen des ETH-Bereichs gemeinsam und koordiniert umgesetzt.
Strategische Schwerpunkte
Die Strategische Schwerpunkte sind als Themenbereiche von hoher gesellschaftlicher Relevanz definiert, in denen der ETH-Bereich wesentliche wissenschaftliche und technologische Wirkung entfalten kann. Die Strategischen Schwerpunkte wollen einen direkten Beitrag leisten, um bedeutende globale und nationale Herausforderungen durch Bildung, Forschung und Innovation anzugehen.
Die fünf Strategischen Schwerpunkte des ETH-Bereichs für 2029–2032 bauen auf den vorangegangenen Strategischen Schwerpunkten auf und sind:
Mensch und Gesundheit
Energie
Klima und ökologische Nachhaltigkeit
KI und digitale Transformation
Zukunftweisende Materialen und Schlüsseltechnologien
Transversale Schwerpunkte
Die Transversale Schwerpunkte sind übergreifende Prioritäten von strategischer Relevanz, die alle Strategischen Schwerpunkte betreffen. Sie sind von systemischer Bedeutung und fungieren entweder als Eckpfeiler oder als Wegbereiter der Strategischen Schwerpunkte oder als bereichsübergreifende Aufgaben, welche in diese integriert sind.
Die drei Transversalen Schwerpunkte des ETH-Bereichs für 2029–2032 sind:
Grundlagenforschung
Dialog mit der Gesellschaft
Sicherheit, Souveränität
und Resilienz
Grundlagenforschung, gründend in der akademischen Freiheit, bildet das Fundament aller Aktivitäten des ETH-Bereichs sowie der fünf Strategischen Schwerpunkte. Der Dialog mit der Gesellschaft ist zentral, um Wirkung zu erzielen und jeder Strategische Schwerpunkt trägt zu Sicherheit, Souveränität und Resilienz bei.
B. Erfüllung des dem ETH-Bereich übertragenen Grundauftrags
Die Institutionen des ETH-Bereichs üben ihre vielfältigen Aufgaben in Erfüllung ihres Auftrags gemäss ETH-Gesetz und den Strategischen Zielen des Bundesrats aus. Für die Periode 2029-2032 legt der ETH-Rat folgende Ziele für diese Aufgaben fest:
Der ETH-Bereich trägt strategisch zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz bei, indem er forschungsbasierte Lehre von höchster Qualität und die Ausbildung hochqualifizierter Absolventinnen und Absolventen priorisiert. Mit der Unterstützung der Forschungsanstalten arbeiten die ETH Zürich und die EPFL weiterhin an der Entwicklung und Umsetzung von Massnahmen, um die Qualität der Ausbildung langfristig sicherzustellen, unter Berücksichtigung der prognostizierten Anzahl von Studierenden.
Bei der Entwicklung ihrer Aus- und Weiterbildungsangebote beachten die Institutionen des ETH-Bereichs Fortschritte in der Wissenschaft und Technik sowie die Bedürfnisse der Gesellschaft und der Wirtschaft und tragen zugleich den sich wandelnden Erwartungen und Anliegen der künftigen Generationen Rechnung. Sie bieten ein inspirierendes Lernumfeld, das den Studierenden zum Erfolg in ihren Studien verhilft und sie ausrüstet, um einen aktiven und verantwortungsvollen Beitrag zur Gestaltung der Zukunft der Schweiz und der Gesellschaft im Allgemeinen zu leisten.
Der ETH-Bereich forscht weiterhin auf höchstem, international wettbewerbsfähigem Niveau und stärkt damit die Innovationsfähigkeit der Schweiz. Die Institutionen des ETH-Bereichs sind bestrebt, die Gesellschaft durch ihre zukunftsweisenden Forschungstätigkeiten positiv zu beeinflussen und zur Lösung der dringendsten regionalen, nationalen und globalen Herausforderungen beizutragen.
Sie gewährleisten und pflegen nationale und internationale Zusammenarbeit und Kooperation, wobei sie den sich wandelnden geopolitischen Rahmenbedingungen Rechnung tragen. Die Institutionen des ETH-Bereichs formen und fördern bewährte Praktiken in der Forschung, einschliesslich Forschungsintegrität, Forschungssicherheit und Open Science.
Der ETH-Bereich konzipiert, entwickelt und betreibt ein Portfolio grosser und mittelgrosser Forschungsinfrastrukturen und -plattformen, die akademischen Forschenden sowie Benutzerinnen und Benutzern aus der Industrie einzigartige Ressourcen und Dienstleistungen bieten. Die grossen Forschungs-infrastrukturen des ETH-Bereichs spielen eine wichtige Rolle für das internationale Ansehen des Landes.
Durch die strategische Förderung von Investitionen in Bereiche, wo seine Institutionen gut positioniert sind, um einen wesentlichen Beitrag zu leisten und um die langfristige Relevanz der Infrastrukturen und deren Nutzen für die Schweiz sicherzustellen, will der ETH-Bereich diese Rolle weiter stärken.
Die Institutionen des ETH-Bereichs leisten einen aktiven Beitrag zur Innovationskraft der Schweiz, indem sie den Transfer von Forschungsergebnissen in Technologien, in die Praxis und in politische Entscheidungs-prozesse beschleunigen und dazu mit Partnern aus der Industrie und dem öffentlichen Sektor zusammenarbeiten. Sie stellen sicher, dass ihre Studierenden die notwendigen Fähigkeiten erwerben, um wichtige Akteure im Wissens- und Knowhow-Transfer zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu werden und fördern den Unternehmergeist bei ihren Angehörigen. Der Dialog mit der Gesellschaft ist weiterhin zentral für die Wissens- und Technologietransfer (WTT)-Aktivitäten und ein Schlüsselaspekt für das Erreichen einer positiven und umfassenderen gesellschaftlichen Wirkung.
Die Institutionen des ETH-Bereichs sind bestrebt, talentierte und engagierte Mitarbeitende anzuziehen und langfristig zu binden und sie zu befähigen, Schlüsselakteure für die Entwicklung und den Erfolg der Institutionen zu werden. Sie bieten ein inspirierendes, inklusives und respektvolles Umfeld für alle ihre Angestellten und Studierenden und anerkennen Offenheit und Diversität als Schlüsselfaktoren für Spitzenleistungen und Kreativität in der Forschung, in der Lehre und bei allen anderen Tätigkeiten. Sie ermutigen ihre Angestellten, neue Arbeitsformen und technologische Entwicklungen zu nutzen. Die Institutionen des ETH-Bereichs setzen ihre Bestrebungen fort, den Frauenanteil bei ihren Angehörigen, insbesondere auf der Ebene Professur und weiteren Führungspositionen zu steigern.
Der ETH-Bereich unterhält sein Immobilienportfolio und baut es aus, um optimale Bedingungen für Bildung, Forschung und Innovation zu schaffen. Die Institutionen antizipieren und planen den künftigen Immobilienbedarf langfristig und berücksichtigen dabei neue Arbeits- und Lernformen und Bedürfnisse, sowie die voraus-sichtlichen Studierendenzahlen. Die Bemühungen konzentrieren sich auf die Funktionalität (einschliesslich Barrierefreiheit), Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit bestehender und neuer Gebäude sowie auf die Erhaltung ihres Werts und ihrer Funktion. Der ETH-Bereich strebt eine Vorbildfunktion im Thema Nachhaltigkeit an, wobei eine vollständige Erfüllung der Ziele von der Verfügbarkeit der erforderlichen Ressourcen abhängt.
Die Institutionen des ETH-Bereichs benötigen eine solide Finanzierungsbasis und verpflichten sich zu einem strategischen, verantwortungsvollen und vorausschauenden Finanzmanagement zur Sicherung der langfristigen finanziellen Stabilität. Die Finanzierung durch den Bund ist weiterhin das Rückgrat der Finanzierung des ETH-Bereichs und gewährleistet Planungs-sicherheit. Ergänzend werden weitere Finanzierungsquellen erschlossen, wobei eine selektive und gezielte Diversifikationsstrategie bei der Finanzierung und ein fokussiertes Reservenmanagement verfolgt werden.
Bei der Allokation der Bundesmittel berücksichtigt der ETH-Rat die Aufgaben, strategischen Bedürfnisse und Leistungen jeder Institution. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs um öffentliche Mittel und der beschränkten Ressourcen trifft der ETH-Rat zusammen mit den Institutionen fundierte strategische Entscheidungen zur Priorisierung und Depriorisierung und ist bestrebt, die Wirksamkeit und Kosteneffizienz in allen Aktivitäten zu steigern.
C. Organisationsentwicklung des ETH-Bereichs
Um wirksam auf neue Herausforderungen wie Klimawandel, Energie, KI und Cybersicherheit reagieren zu können, muss der ETH-Bereich seine Organisationsstruktur weiterentwickeln, um Agilität, Zusammenarbeit und Resilienz zu stärken. Das im Sommer 2022 gestartete Projekt «FIT for the Future» durchlief verschiedene Phasen, darunter die Erstellung einer Situationsanalyse und die Durchführung einer gezielten Portfolioanalyse.
Das zentrale Ziel dieses Projekts ist es, den an der Mission orientierten Ansatz zu stärken, indem die Forschungsanstalten zu einem dritten starken strategischen Pfeiler zusammengefasst werden, neben der ETH Zürich und der EPFL. Diese Struktur soll unter anderem die gemeinsame strategische Entwicklung verbessern.