Rückblick 2025
Mit dem Start der neuen BFI-Periode 2025–2028 widmeten sich die Institutionen des ETH-Bereichs vertieft den Strategischen Schwerpunkten, die der ETH-Rat definiert hat. Eine wichtige Rolle spielten im Berichtsjahr auch die Forschung und die Vermittlung rund um eine verantwortungsvolle digitale Transformation und der vorausschauende Umgang mit der Forschungs- und Wissenssicherheit. Der Dialog mit der Gesellschaft und die wissenschaftliche Beratung von Behörden und Politik im Kontext aktueller globaler Herausforderungen wurden weiter gestärkt.
Lehre: Qualität der Lehre und Studiengebühren
Der Erhalt der Qualität der Lehre hat auch in Zeiten steigenden Spardrucks höchste Priorität und führte im Herbstsemester 2025 zu einem Novum: Vorläufig, bis und mit Herbstsemester 2028, werden ausländische Studierende mit ausländischem Vorbildungsausweis an der EPFL nur noch solange zum Bachelorstudium zugelassen, bis die Anzahl von jährlich insgesamt 3000 Bachelorstudierenden im ersten Studienjahr erreicht ist. Die Beschränkung der Gesamtzahl von Plätzen im ersten Jahr hat zu einem deutlichen Rückgang der neu eingetretenen ausländischen Studierenden geführt. Seit Herbstsemester 2025 ist auch die Verdreifachung der Studiengebühren für ausländische Bachelor- und Masterstudierende, die zum Zweck des Studiums an der ETH Zürich oder an der EPFL in die Schweiz ziehen, in Kraft. Es ist jedoch noch zu früh, um die Auswirkungen dieser Massnahme auf die Zahl der ausländischen Studierenden zu beurteilen.
Forschung: Strategische Schwerpunkte
Die neuen Strategischen Ziele des Bundesrats für den ETH-Bereich für die Jahre 2025–2028 orientieren sich an den Kernaufgaben der Institutionen des ETH-Bereichs – Lehre, Forschung sowie Wissens- und Technologietransfer (WTT). Einerseits setzt der Bundesrat bei den Zielen auf Kontinuität; gleichzeitig werden neue Entwicklungen und Themen aufgenommen. Das Ziel 2 «Forschung» verweist auf die fünf Strategischen Schwerpunkte, die der ETH Rat mit Blick auf drängende globale Herausforderungen in seinem Strategischen Plan für die BFI-Periode 2025–2028 definiert hat: «Mensch und Gesundheit», «Energie, Klima und ökologische Nachhaltigkeit», «Verantwortungsvolle digitale Transformation», «Fortschrittliche Materialien und Schlüsseltechnologien» sowie «Engagement und Dialog mit der Gesellschaft». An der ersten bereichsweiten Konferenz des ETH-Bereichs im Dezember 2025 haben sich die Forschenden des ETH-Bereichs zu diesen Schwerpunkten und deren Weiterentwicklung ausgetauscht. Die Schwerpunkte stehen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit – nicht nur innerhalb des ETH Bereichs und mit den anderen Schweizer BFI-Akteuren, sondern auch mit der öffentlichen Hand, der Industrie und den Spitälern.
Diese vielfältige Zusammenarbeit mit den verschiedensten Akteuren im Inland wird ergänzt durch internationale wissenschaftliche Kooperationen. Um sich weltweit auf höchstem Niveau zu messen und die besten Talente anzuziehen, ist gerade die Teilnahme an den europäischen Rahmenprogrammen für Forschung und Innovation elementar. Im Rahmen des Abschlusses der Verhandlungen zum Paket Schweiz-EU Ende 2024 und im Hinblick auf die Unterzeichnung des EU-Programmabkommens (EUPA) 2025 erfolgte die Zulassung der Schweiz zu fast allen Ausschreibungen 2025 von Horizon Europe, Digital Europe und dem Euratom-Programm. Der ETH-Rat und die Institutionen des ETH-Bereichs unterstützen vollumfänglich das Ziel des Bundesrats, den bilateralen Weg weiterzuverfolgen, und sehen im Paket Schweiz–EU einen harmonisierten Rechtsrahmen, der für die akademische Zusammenarbeit, die Mobilität von Talenten und die Investitionen in die grenzüberschreitende Forschung sehr wertvoll ist.
Verantwortungsvolle digitale Transformation
Gleich mehrere der Strategischen Ziele des Bundesrats nehmen den ETH-Bereich in die Verantwortung, wenn es darum geht, aktuelle Entwicklungen in der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz aufzunehmen und in seinen Forschungsaktivitäten einen Fokus auf disruptive Technologien und damit zusammenhängende gesellschaftliche Herausforderungen zu legen. Im Spätsommer 2025 lancierte das 2024 von der ETH Zürich und der EPFL gemeinsam gegründete «Swiss National AI Institute», das vom ETH-Rat im Rahmen der «Swiss AI Initiative» unterstützt wird, mit «Apertus» das erste umfangreiche, offene und mehrsprachige Sprachmodell für generative KI aus der Schweiz. Das Modell stärkt die digitale Souveränität der Schweiz, indem es sich an Werten wie Vertrauenswürdigkeit, Open Source und Transparenz orientiert und sich auf die spezifischen Bedürfnisse von Schweizer Bezugsgruppen ausrichten lässt.
Dem Thema der verantwortungsvollen digitalen Transformation widmet sich auch der Bildungscampus in Heilbronn, wo die ETH Zürich zurzeit dank einer grosszügigen Donation eine Niederlassung aufbaut. Am ETH Zürich Campus Heilbronn sollen schrittweise 15 Professuren etabliert werden, die zu Themen wie anwendungsorientierter künstlicher Intelligenz oder Cybersicherheit lehren und forschen werden. Ebenfalls wichtige Beiträge für die Souveränität und Sicherheit der Schweiz leisten die Institutionen des ETH-Bereichs mit ihrer energiewissenschaftlichen Forschung oder bei Datenwissenschaftsthemen, wo eine enge Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Statistik (BFS) besteht.
Dabei stehen die genannten Forschungs- und Innovationsbereiche in einer von geopolitischen Spannungen geprägten Weltlage vor neuen Herausforderungen. Dem vorausschauenden Umgang mit der Forschungs- und Wissenssicherheit, insbesondere hinsichtlich der Zusammenarbeit mit internationalen und industriellen Partnern, kommt eine wichtige Bedeutung zu. Um wissenschaftliche Werte, sensibles Wissen, Daten und Technologien zu schützen, müssen die Schweizer BFI Akteure geeignete Sicherheitsvorkehrungen treffen. Auch im Rahmen der laufenden Arbeiten des Schweizerischen Hochschulrats zur nationalen Koordination in Sachen «Knowledge Security» engagiert sich der ETH-Bereich dafür.
Dialog mit der Gesellschaft
Zu den wichtigen Aufgaben der Institutionen des ETH-Bereichs gehört es, mit der Bevölkerung zu gesellschaftlich relevanten Forschungsthemen in einen direkten Dialog zu treten. Dies umfasst auch die wissenschaftliche Beratung von Behörden und politischen Entscheidungsgremien im Kontext aktueller Fragestellungen. Im Herbst 2025 lancierten die
Institutionen des Schweizer BFI-Bereichs gemeinsam im Auftrag des Bunds das Nationale Netzwerk für wissenschaftliche Beratung, das rasch unabhängige und interdisziplinäre wissenschaftliche Expertise zu mobilisieren vermag, um Politik und Verwaltung bei der Krisenprävention und -bewältigung sowie bei der Vorbereitung auf kritische Situationen zu beraten. Das Netzwerk soll einen kontinuierlichen und vertrauten Dialog zwischen Wissenschaft und Politik fördern und arbeitet zurzeit an vier Schwerpunkten, die als für die Sicherheit und Resilienz der Schweiz von höchster strategischer Bedeutung erachtet werden: Öffentliche Gesundheit, Cybersicherheit, Desinformation und Internationale Herausforderungen.
Vor diesem Hintergrund interessiert es besonders, was die Schweizer Bevölkerung über wissenschaftliche Themen denkt, wie sie sich informiert und wie es um das Vertrauen in die Wissenschaft und ihre Akteure steht. Diesen Fragen widmet sich das Langzeitprojekt Wissenschaftsbarometer Schweiz. 2025 wurde in der Schweiz die vierte reguläre Befragungswelle durchgeführt, die der ETH-Rat mitfinanzierte.
Zu den wichtigsten Erkenntnissen zählt, dass das Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft in der Schweiz relativ hoch und stabil ist. Viele Menschen halten Forschung für notwendig, befürworten staatliche Förderung und finden, dass politische Entscheidungen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen sollten. Betrachtet man Interesse, Einstellung und Vertrauen zusammen, so zeigt sich, dass rund ein Drittel entweder voll informiert und sehr wissenschaftsaffin oder zumindest kritisch interessiert ist, während fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung zwar wenig informiert, aber dennoch passiv unterstützend ist. Eine gewisse Polarisierung ist auszumachen – sowohl Unterstützerinnen als auch Skeptiker, die gänzlich ablehnend gegenüber der Wissenschaft sind (17 %), haben leicht zugenommen.
Organisationsentwicklung im ETH-Bereich
Um für die genannten und zukünftigen Herausforderungen gut gerüstet zu sein, widmet sich der ETH-Bereich der Aufgabe, seine eigene Organisation wirkungsvoll und flexibel zu gestalten. Im Verlauf des Berichtsjahres haben der ETH Rat und die Institutionen des ETH-Bereichs intensiv am Organisationsentwicklungsprojekt «FIT for the Future» gearbeitet. Geplant ist ein ETH-Bereich mit drei starken strategischen Pfeilern: ETH Zürich, EPFL und die vier Forschungsanstalten. Voraussichtlich im Frühjahr 2026 wird der ETH-Rat die interne Konsultation dazu eröffnen.