ETH-Rat, 23. Mai 2019

Der ETH-Rat hat an seiner Sitzung vom 22./23. Mai 2019 auf Antrag des Präsidenten der ETH Zürich, Prof. Dr. Joël Mesot, und des Präsidenten der EPFL, Prof. Dr. Martin Vetterli, insgesamt 11 Professorinnen und Professoren ernannt, 2 Professorentitel verliehen sowie den Rücktritt von 2 Professoren mit Verdankung zur Kenntnis genommen.

Ernennungen ETH Zürich

Prof. Dr. Afonso Bandeira (*1988), zurzeit ausserordentlicher Professor an der New York University, USA, zum ordentlichen Professor für Mathematik. Afonso Bandeiras Forschung hat grosse internationale Ausstrahlungskraft und konzentriert sich auf die Schnittstellen von Optimierung, Informati­onstheorie und Data Science. Seine Interessen sind sehr breit und umfassen Phase Retrieval in der Signalverarbeitung, Community Detection in Netzwerken sowie statistische Eigenschaften von Matrix- und Tensor-Zerlegungen. Mit der Berufung von Afonso Bandeira verstärkt das Departement Mathematik die intra-departementalen Verbindungen zwischen den Forschungsbereichen Statistik, Optimie­rung und Numerische Mathematik.

Prof. Dr. Alexander Barnes (*1981), zurzeit ausserordentlicher Professor an der Washington University, St. Louis, USA, zum ordentlichen Professor für Festkörper-NMR-Spektroskopie. Die Forschung von Alexander Barnes konzentriert sich auf Festkörper-Kernspinresonanz-Spektroskopie (NMR – nuclear magnetic resonance spectroscopy). NMR ist eine sehr vielseitige Methode, die es erlaubt, sowohl die chemische Zusammensetzung kleiner Moleküle als auch die 3D-Struktur und Dynamik von Eiweissen mit atomarer Auflösung zu bestimmen. Das spezielle Interesse von Alexander Barnes gilt der Steigerung des schwachen NMR-Signals mit dynamischer Kernspinpolarisation. Seine Berufung hat grosses Potenzial für die Zusammenarbeit zwischen verschiedensten Departementen und Fachbereichen an der ETH Zürich.

Dr. Klaus Eyer (*1985), zurzeit Gruppenleiter am ESPCI und assoziierter Forscher am Institut Pasteur, beide in Paris, Frankreich, zum Assistenzprofessor für Funktionelle Immunrepertoireanalyse. Klaus Eyer ist ein vielversprechender Nachwuchswissenschaftler. Seine Leistungen wurden bereits mit einem Branco-Weiss-Stipendium und 2018 mit einem ERC Starting Grant gewürdigt. Seine Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung, Charakterisierung und Integra­tion bioanalytischer Methoden zur Funktionsanalyse einzelner Zellen. Das Hauptaugenmerk liegt da­bei auf der Quantifizierung der humoralen Immunantwort. Mit der Berufung von Klaus Eyer stärkt die ETH Zürich die Entwicklung neuer Verfahren, Impfstoffe und Diagnoseansätze insbesondere im Gebiet der personalisierten Medizin.

Dr. Cara Magnabosco (*1989), zurzeit Postdoktorandin am Flatiron Institute der Simons Foundation, New York, USA, zur Tenure-Track-Assistenzprofessorin für Geobiologie. Die Forschung von Cara Magnabosco fokussiert auf die Entwicklung von Berechnungsme­thoden zur Untersuchung der Koevolution von Leben und Erde. Sie nutzt Ideen aus der Ge­nomik und Phylogenetik, um Signaturen von ökologischen Veränderungen und Veränderun­gen der Umwelt aufzudecken, die in den Genomen moderner Mikroorganismen erhalten sind. Mit der Berufung von Cara Magnabosco initiiert das Departement Erdwissenschaften ein Forschungs- und Lehrprogramm, das die Beziehungen zu anderen Einheiten an der ETH Zürich und innerhalb des ETH-Bereichs, beispielsweise zur Eawag, weiter stärkt.

Prof. Dr. Martin Pilhofer (*1980), zurzeit Assistenzprofessor an der ETH Zürich, zum ausserordent-lichen Professor für Kryo-Elektronenmikroskopie. Martin Pilhofer ist ein äusserst engagierter Wissen-schaftler auf dem Gebiet der zellulären Strukturbiologie von Mikroorganismen. 2016 erhielt er einen ERC Starting Grant. Sein Forschungsgebiet wird immer wichtiger, um die Struktur von grösseren Protein-komplexen aufzuklären und sichtbar zu machen. Mit der Ernennung von Martin Pilhofer kann die ETH Zürich einem der wenigen international anerkannten Experten auf dem Zukunftsgebiet der Kryo-Elektronenmikroskopie eine langfristige Forschungsperspektive bieten und damit die weltweit führende Stellung der Hochschule in der molekularen Strukturbiologie wei­ter ausbauen.

Dr. Sascha Patrick Quanz (*1979), zurzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ETH Zürich, zum ausserordentlichen Professor für Exoplaneten und Habitabiliät. Sascha Quanz ist ein international gut vernetzter Wissenschaftler. Er untersucht die Entstehung von neuen Planetensystemen sowie die physikalischen und atmosphärischen Eigenschaften von extrasolaren Planeten, vornehmlich mit Hilfe des Direct-Imaging-Verfahrens bei optischen und nahinfraroten Wellenlängen. Er war führend an der Entwicklung von neuen Analysemethoden beteiligt, die das Detektieren vom Planeten und zirkumstellaren Schei­ben robuster und schneller machen. Mit der Berufung von Sascha Quanz besetzt das Departement Physik eines der dynamischsten Forschungsfelder der modernen Astrophysik.

Prof. Dr. Roger Schibli (*1968), zurzeit ausserordentlicher Professor an der ETH Zürich und Laborleiter am PSI, zum ordentlichen Professor für Radiopharmazie. Roger Schibli ist einer der weltweit führenden Forscher im Bereich der radiopharmazeutischen Chemie und gilt als Spezialist für die Entwicklung von Radiodiagnostika und Radiotherapeutika. Sein Forschungsschwerpunkt an der ETH Zürich liegt auf der Entwicklung neuer chemischer und enzymatischer Strategien zur Funktionalisierung von Biomolekülen zur späteren Markierung mit diagnostischen und therapeutischen Radionukliden. Am Zentrum für Radiopharmazeutische Wissenschaften des PSI entwickelt die Gruppe von Roger Schibli neue Radiotracer basierend auf kleinen Molekülen, insbesondere Folsäure und Nukleosiden.

Dr. Benjamin David Stocker (*1982), zurzeit Research Fellow am Eco­logical and Forestry Applications Research Centre (CREAF) in Barcelona, Spanien, zum Assistenzprofessor für Computergestützte Ökosystemwissenschaft. Benjamin Stocker forscht zum Funktionieren von Ökosystemen und zu den Klimafeedbacks der terrestrischen Biosphäre auf die Atmosphäre. Er nutzt dynamische globale Vegetations- und Erdsystemmodelle, um den Einfluss der Biosphäre auf den Kohlen­stoff-Haushalt der Erde zu quantifizieren. Mit der Berufung von Benjamin Stocker verstärkt die ETH Zürich die Forschung zum Einfluss des Klimawandels auf die Biosphäre und zu terrestrischen Ökosystemen. Dabei werden sich wichtige Synergien, unter anderem mit der WSL, ergeben.

Prof. Dr. Jeroen van Bokhoven (*1971), zurzeit ausserordentlicher Professor an der ETH Zürich und Laborleiter am PSI, zum ordentlichen Professor für Heterogene Katalyse. Jeroen van Bokhoven strebt in seinen Forschungsarbeiten ein fundamentales Verständnis für die Funktionen von heterogenen Katalysatoren an und will auf dieser Basis neue heterogene Katalysatoren entwickeln. Im Zentrum seiner Interessen stehen die Oxidationsaktivität von trägergestützten Edelmetallkatalysatoren und die Natur der aktiven Bereiche in Zeolith-Katalysatoren. Die Ernennung von Jeroen van Bokhoven zum ordentlichen Professor stärkt die Bindungen zwischen der ETH Zürich und dem PSI, wo er mit seinem Labor Forschung und instrumentelle Entwicklung an einigen Strahllinien der Synchrotron-Lichtquelle Schweiz betreibt sowie den Nutzerbetrieb unterstützt.

Ernennungen EPFL

Prof. Dr. Katerina Argyraki (*1976), zurzeit Tenure-Track-Assistenzprofessorin an der EPFL, zur ausserordentlichen Professorin für Informatik und Kommunikation. Katerina Argyraki ist eine international viel beachtete Wissenschaftlerin. In ihrer Forschung befasst sie sich insbesondere mit der Architektur vernetzter Systeme und deren praktischer Anwendung in Computernetzwerken. Unter anderem leistete sie wesentliche Beiträge zum modularen Aufbau von Routern mit Standardkomponenten und -software und zu ihrem Einsatz in grossen Rechen- und Datenzentren. Die Resultate von Katerina Argyraki sind von grosser Bedeutung für die Sicherheit des Internets. Zurzeit arbeitet sie etwa an Innnovationen im Bereich von Verifikationssystemen.

Prof. Dr. Julien Hugonnier (*1974), zurzeit ausserordentlicher Professor an der EPFL, zum ordentlichen Professor für Finanzwesen. Julien Hugonnier ist ein thematisch und methodisch äusserst vielseitiger Forscher, dessen Wirken sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis weltweit auf grosses Interesse stösst. Bedeutende Beiträge leistete er etwa zum Allgemeinen Gleichgewichtsmodell, zur Modellierung von Ausfallrisiken und im Bereich der Unternehmensfinanzierung. Mit der ersten streng quantitativen Analyse der Liquiditäts- und Eigenkapitalanforderungen an Banken nahm er kürzlich ein hochaktuelles Thema auf und leistete einen wichtigen Diskussionsbeitrag. Mit seinem Wirken trägt Julien Hugonnier zu einer breiten Wahrnehmung der EPFL in Wirtschaft und Gesellschaft bei.

Verleihung des Titels «Professor»

Dr. Susan Ivy-Ochs (*1958), zurzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin und Privatdozentin an der ETH Zürich, zur Titularprofessorin der ETH Zürich. Susan Ivy-Ochs leitet seit vielen Jahren ein unabhängiges Forschungsprogramm. Ihr beson­deres Spezialgebiet ist die Anwendung kosmogener Nuklide in der Geomorphologie, insbe­sondere in Bezug auf glaziale Prozesse und Erdrutsche. Zu diesem Thema ist sie auch in der Lehre aktiv.

Dr. Carsten Schubert (*1966), zurzeit Abteilungsleiter an der Eawag und Lehrbeauftragter an der ETH Zürich, zum Titularprofessor der ETH Zürich. Carsten Schubert hat mit seiner Grundlagen­forschung über biogeochemische Prozesse in Seen und marinen Sys­temen höchst relevante Erkenntnisse geschaffen zu den biologischen, physikalischen und chemischen Prozessen, die dem Kreislauf der Elemente in aquatischen Systemen zugrunde liegen.

Verabschiedungen EPFL

Prof. Dr. John Botsis (*1955), zurzeit ordentlicher Professor für Festkörper- und Strukturmechanik, wird Ende Februar 2020 in den Ruhestand treten. John Botsis wurde nach einer internationalen Karriere 1996 auf seine heutige Position an der EPFL berufen. Seine Forschung konzentriert sich auf die experimentelle Mechanik und insbesondere auf Ermüdungserscheinungen und Brüche in Materialien wie Polymere, Keramiken, Verbundwerkstoffen und Biomaterialien. Dabei setzt er innovative experimentelle Techniken, numerische Methoden und rechnergestützte Mikromechanik ein. John Botsis leitete zahlreiche internationale Projekte und festigte so das für den Einfluss der EPFL unerlässliche Netzwerk von akademischen und industriellen Kooperationen.

Prof. Dr. José del Rocío Millán Ruiz (*1962), zurzeit ausserordentlicher Professor für Bioengineering, wird die EPFL Ende August 2019 verlassen, um einem Ruf der University of Texas, Austin, USA, zu folgen. José Millán wirkt seit April 2009 an der EPFL. Seine Forschungsarbeit ist im Bereich der intelligenten adaptiven Roboter wie Rollstühle und Exoskelette angesiedelt und umfasst zahlreiche institutionelle und industrielle Kooperationen.

Der ETH-Rat verdankt die Leistungen der scheidenden Professoren in Wissenschaft, Lehre und akademischer Verwaltung.