Ein neues System zur dynamischen Vorhersage von Waldbrandgefahr erlaubt Behörden, ihre Alarmbereitschaft besser zu planen.

Gateway: Sammelt die Signale der Sensoren und übermittelt sie mittels Mobilfunk an die Zentrale. Foto: WSL

Um Waldbrände vorherzusagen, wird heute meist die Brandgutfeuchtigkeit indirekt aus meteorologischen Daten der Umgebung abgeleitet. Boden- und Waldtypen reagieren aber unterschiedlich auf Veränderungen in der Luftfeuchtigkeit, so dass die Berechnungen nicht immer den örtlichen Gegebenheiten entsprechen. WSL-Forschende aus Bellinzona und die auf Fernmessung spezialisierte Firma Enveve haben deshalb das System Fireless2 entwickelt, das die Feuchtigkeit von Waldstreu und Humus lokal ermittelt. Ein Set von Sensoren am und im Waldboden ist per Funk mit einer solargetriebenen Minizentrale verbunden, welche die Messdaten laufend an die Computer der überwachenden Behörde sendet. Diese kann sich dann unter Einbezug der aktuellen Meteodaten ein präzises Bild der Gefahrenlage machen.

Während zweier Jahre hat die WSL das System einem ausführlichen Praxistest unterzogen. Es interessierte vor allem, ob die mit Sensoren erhobenen Daten zuverlässige Hinweise auf die effektive Waldbrandgefahr liefern. Die Beurteilung der Waldbrandgefahr von Fireless2 wurde regelmässig mit jener aus der traditionellen Messmethode verglichen und in Bezug zu realen Brandausbrüchen gesetzt. Zusätzlich wurden im Feld regelmässig Brandgutproben genommen, um deren effektive Feuchtigkeit zu bestimmen. Die Praxistests zeigten, dass die Korrelation zwischen der Einschätzung des Systems und der effektiven Brandgutfeuchte bei Fireless2 zum Teil wesentlich höher war als bei der herkömmlichen Methode. Insbesondere die Messungen im Humus und jene im Nadelstreu lieferten äusserst präzise Resultate. Beim Laubstreu lag die Korrelation im Rahmen des bisher Üblichen. Fireless2 konnte aber Trends rascher anzeigen – also die Abnahme oder Zunahme von Feuchtigkeit.

Nach dem Waldbrand: Die Lehren von Leuk

Nach dem verheerenden Waldbrand von 2003 untersuchten Spezialisten der WSL, wie sich die Fläche von der Zerstörung erholte. Aus den gewonnenen Erkenntnissen hat die WSL ein 16-seitiges Merkblatt entwickelt. Es enthält wissenschaftlich erhärtete Massnahmenvorschläge für den Umgang mit den betroffenen Flächen und Informationen über die Entwicklung des Waldes in den Jahren nach dem Brand. Der Walliser Kreisförster Alban Brigger benutzte das Merkblatt nach dem Waldbrand in Visp 2011 als Entscheidungsgrundlage: «Aus den WSL-Unterlagen erfuhr ich, wie schnell Flaumeichen und Lärchen nach einem Brand wieder austreiben und dass es darum sinnvoll ist, die verkohlten Bäume stehen zu lassen.»