ETH-Rat, 18. Mai 2017

Der ETH-Rat hat an der Sitzung vom 17. Mai 2017 über seine Finanz- und Investitionsplanung für das Jahr 2018 entschieden. Durch die Sparvorgaben des Bundes steht dem ETH-Bereich 2018 weniger Geld zur Verfügung als im laufenden Jahr. Damit wird ein Leistungsabbau notwendig werden. Der ETH-Rat sieht in diesem Abbau eine Gefahr für den Innovationsstandort Schweiz.

Der ETH-Rat verabschiedete die Zielvereinbarungen mit den Institutionen sowie die Finanz- und Investitionsplanung. Dazu gehören das Budget, der Investitionskredit sowie das Bauprogramm für das kommende Jahr. Nachdem der Bundesrat eine Teuerungskorrektur beschlossen hatte, ist auch der ETH-Rat gehalten, diese Massnahme des Bundes umzusetzen. Die Institutionen des ETH-Bereichs, zu denen die ETH Zürich, die EPFL in Lausanne, das Paul Scherrer Institut PSI, die WSL, die Empa und die Eawag gehören, müssen damit eine Kürzung der Bundesmittel von 3% in Kauf nehmen. Dazu kommt für den ETH-Bereich eine jährliche Verzichtsplanung von zusätzlich 20 Mio. Franken pro Jahr für die Jahre 2018–2020. Damit belaufen sich die Budgeteinsparungen auf rund 90 Mio. CHF pro Jahr im gesamten ETH-Bereich.

Die neuesten Sparvorgaben bereiten dem Präsidenten des ETH-Rats, Fritz Schiesser, Sorgen: «Wir haben im Jahr 2018 weniger Geld zur Verfügung als 2017. Das bedeutet, wir können einige der geplanten Investitionen nicht tätigen. Für die Zukunft hat dies auch negative Auswirkungen auf die Innovationskraft der Schweizer Wirtschaft.» Für den ETH-Rat ist es daher wichtig, dass die beiden ETH und die vier Forschungsanstalten ihre ausgezeichnete internationale Reputation behalten.

Der ETH-Bereich als Innovationstreiber der Schweizer Wirtschaft

Die Schweiz ist seit neun Jahren Innovationsweltmeister im Ranking von Mercer. Sollten die beiden ETH in den Rankings zurückfallen, wird sich dies auf die Schweizer Wirtschaft auswirken. Der ETH-Bereich bildet Spitzenarbeitskräfte aus, die ihr an den Hochschulen erworbenes Wissen in die Industrie und KMU tragen und dort für technologischen Fortschritt und Innovation sorgen. Die Institutionen des ETH-Bereichs ziehen in ihrem Umfeld immer wieder grosse Firmen an, die Arbeitsplätze schaffen und Wertschöpfung generieren, darunter Firmen wie Google, IBM, Facebook. Zudem profitieren die Schweizer KMU und Industriekonzerne ebenfalls von diesem Wissen durch Technologietransfer. Allein die Empa hat rund 400 laufende Kooperationen, die meisten davon mit Schweizer KMU.

Investitionen in die Bildung sind zukunftsweisend

In verschiedenen Rankings belegen die beiden ETH in Zürich und Lausanne Spitzenpositionen, welche die Leistungsfähigkeit des Bildungs-, Forschungs- und Innovationsstandorts Schweiz zeigen, und erinnern Fritz Schiesser dabei an Roger Federer und Stanislas Wawrinka: «Sowohl die beiden ETH als auch Federer und Wawrinka zeigen, dass auch ein kleines Land wie die Schweiz es weit bringen kann. Wir müssen aus diesen Qualitäten wirtschaftlich Kapital schlagen», sagt der Präsident des ETH-Rats. «Die Digitalisierung schreitet rasch voran und nur jene Länder, die beste Voraussetzungen für eine innovative Wirtschaft schaffen, werden in einigen Jahren zur Spitze gehören. Die Weltklasse-Forschung aus dem ETH-Bereich stärkt den Industrieplatz und Arbeitsmarkt der Schweiz. Der ETH-Bereich ist somit die Lokomotive der Innovation im digitalen Zeitalter, so wie er es bereits im 19. Jahrhundert bei der Eisenbahn, der chemischen Industrie und im Maschinenbau war.» Damals legten die Politiker mit dem Auftrag an die Eidgenössische Technische Hochschule, Fachkräfte unter anderem in der chemischen Industrie auszubilden, den Grundstein für den Basler Chemiestandort. Dank der liberalen Gesetzgebung und dem Wissen der ETH-Ingenieure wurde die Schweiz schon Anfang des 20. Jahrhunderts zur zweitgrössten Chemienation der Welt, hinter Deutschland und vor Grossbritannien und Frankreich.  «Diesen visionären Blick braucht die Politik auch im Zeitalter der Digitalisierung», so Fritz Schiesser.

Massnahmen zur Förderung der Gleichstellung im ETH-Bereich

Der ETH-Rat hatte vorgegeben, dass rund 0,4% der Finanzmittel für Massnahmen zur Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau aufgewendet werden müssen. In ihren Berichten zeigten die sechs Institutionen des ETH-Bereichs die vielfältigen Massnahmen, die sie umgesetzt hatten. Dazu gehört die Finanzierung von Kinderbetreuung, wenn die Forscherinnen ihre Arbeit an einer internationalen Konferenz vorstellen. Die Hochschulen bieten auch mehr Krippenplätze an, veranstalten Workshops darüber, wie Frauen für die Forschung gewonnen werden können, führen Mentoringprogramme für junge Forscherinnen durch und vieles mehr. Insgesamt sind immer noch zu wenige Frauen in den technischen Disziplinen tätig.

Forschungsprojekte

Der ETH-Rat nahm Kenntnis von den Schlussberichten der Kompetenzzentren «CCES Competence Center Environment and Sustainability» und «CCMX Competence Center for Materials Science and Technology». Beide Kompetenzzentren haben einen grossen Beitrag dazu geleistet, neue Forschungsprojekte und Forschungskooperationen im ETH-Bereich zu ermöglichen. Einerseits beim Thema Umwelt und Nachhaltigkeit und andererseits im Bereich Materialwissenschaften und Technologie. Die Kompetenzzentren sind im Jahr 2006 gegründet worden und haben zu einer stärkeren Zusammenarbeit im ETH-Bereich und in der gesamten Hochschullandschaft Schweiz geführt.