Die Eawag forscht seit Jahren im Gebiet des afrikanischen Kivu-Sees. In dessen Tiefe lauert Gefahr in Form von Milliarden Kubikmetern an gelösten Gasen. Nun könnte eine kontrollierte Nutzung von Methan zwei Fliegen auf einen Schlag erledigen: die Stromversorgung in der Region sichern und das Risiko eines tödlichen Gasausbruchs mindern.

Blick nach Westen auf den Kivu-See in der Nähe von Kibuye (Ruanda). Im Hintergund sieht man die Idjwi-Insel (DR Kongo).Photo: M. Schurter/Eawag

Der Kivu-See zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo ist rund eineinhalbmal so gross wie der Kanton Zürich und fast 500 Meter tief. Eigentlich eine Idylle – doch in der Tiefe des einzigartigen Gewässers lauert Gefahr. Rund 250 Milliarden Kubikmeter Kohlendioxid und 55 Milliarden Kubikmeter Methan sind im Wasser gelöst. Die Forschenden der Eawag haben in den letzten Jahren nachgewiesen, dass die Konzentrationen steigen.

Erdbeben wäre gefährlich

Noch bleibt das Gas in den tiefen Wasserschichten gelöst, weil der See darüber extrem stabil geschichtet ist. Wenn jedoch die Konzentrationen weiter steigen oder wenn eine starke Störung eintritt – ein Vulkanausbruch oder ein grosses Erdbeben zum Beispiel – könnte sich das schlagartig ändern. Dann bestünde die Gefahr, dass Gasblasen in grosser Zahl aufsteigen und an den sehr dicht besiedelten Ufern des Sees zur Katastrophe führen würden. Genau dies geschah 1986 am Nyos-See in Kamerun, als ein Gasausbruch den Tod von 1800 Menschen verursachte.

Zurzeit versucht Ruandas Regierung, die Gasreserven im Kivu-See zur Stromgewinnung nutzbar zu machen. Das Prinzip ist einfach: Wird ein Rohr in die Tiefe des Sees gelegt, strömt das Wasser wegen der im Rohr entstehenden Gasblasen von selbst nach oben. Das Methan muss anschliessend vom Kohlendioxid getrennt werden, bevor es genutzt werden kann.

Eawag begleitet Planung und Pilotprojekte

Forschungsteams der Eawag um Professor Alfred Wüest, Leiter der Abteilung Oberflächengewässer, begleiten im Auftrag der ruandischen Regierung Ruandas und der holländischen Commission

for Environmental Impact Assessment die Planung und die Pilotprojekte der Methanausbeutung am Kivu-See. Das langjährige Knowhow der Schweizer Forschenden ist sehr gefragt, da niemand weiss, wie der See auf die Gasentnahme reagieren wird. Eine Fehlplanung könnte zum Desaster werden für das sensible Ökosystem des Sees und die Menschen, die davon leben.

Zu den zentralen Arbeiten der Eawag-Teams gehören ein Computermodell, welches das Verhalten des Sees simuliert, und ein Konzept zu dessen permanenter Überwachung. 2010 erhielt die Eawag-Forschende Natacha Pasche für ihre Dissertation zum Thema Nährstoffkreislauf und Methanproduktion im Kivusee den

Schweizer Hydrobiologie-Limnologie-Preis 2010.