01. Dezember 2011

Die Schweiz ist darauf angewiesen, dass Frauen ihr Potenzial auch zunehmend in den Natur- und Ingenieurwissenschaften einbringen. Gemäss dem Leistungsauftrag des Bundesrats fördert der ETH-Rat mit seiner Strategie die Chancengleichheit im ETH-Bereich.

Der Frauenanteil steigt im ETH-Bereich auf allen Stufen der akademischen Laufbahn langsam, aber stetig. So nahm der Anteil der Professorinnen seit 2005 um über 45% zu und betrug Ende 2010 10,9%. Dieser Anteil liegt jedoch noch deutlich unter dem Zielwert von 25 % für Frauen in Führungspositionen und Entscheidungsgremien, der im Leistungsauftrag des Bundesrats verankert ist. Der geringe Frauenanteil widerspiegelt indessen auch gesellschaftliche Realitäten – wie traditionelle Rollenbilder und ein geringer Studentinnenanteil in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT-Fächer).

Schweiz auf Frauenförderung angewiesen

Die Schweiz ist zunehmend darauf angewiesen, alle Ressourcen zu nutzen. Sie kann es sich nicht leisten, dass Männer und Frauen im Berufsleben weiterhin unterschiedliche Chancen haben, im akademischen Bereich speziell in den Natur- und Ingenieurwissenschaften: Diese Fächer liefern die Grundlagen für technisch-wissenschaftliche Innovationen und somit auch für den weiteren Erfolg der Schweizer Wirtschaft. Damit Frauen speziell in den MINT-Fächern ihr Potenzial einbringen und entfalten können, bedarf es aber der gezielten und nachhaltigen Förderung.

Chancengleichheit im ETH-Bereich

Der ETH-Rat ist sich der Verantwortung des ETH-Bereichs für die Schweizer Gesellschaft und Wirtschaft bewusst und fordert und fördert die Erhöhung des Frauenanteils im ganzen ETH-Bereich auf höchster Ebene. Um die Bundesvorgaben zu erreichen, umfasste die Strategie des ETHRats zur Förderung der Chancengleichheit im ETH-Bereich für die Jahre 2008–2011 Massnahmen zur Frauenförderung auf allen Stufen der akademischen Laufbahn und überdies die Nachwuchsförderung für Mädchen:

  • Bei der Rekrutierung von Professorinnen und Professoren richten sich die Institutionen nach den «Best Practices» (z.B. Profil mit Blick auf potenzielle Kandidatinnen erstellen, Berufungskommissionen laden gezielt Wissenschafterinnen zur Bewerbung ein)
  • Verstärkung der Massnahmen für die Vereinbarkeit von akademischer Laufbahn und Familie
  • Ausbau der Mentoring- und Careerbuilding-Programme für Studentinnen auf allen Stufen
  • Ausbau der aktiven Nachwuchsförderung für die MINT-Fächer bei Mädchen aller Schulstufen
  • Für die nächsten Jahre (2012–2016) sieht der ETH-Bereich die Weiterführung und Stärkung dieser Massnahmen vor.

Im Interesse einer Konsolidierung sowie im Hinblick auf ein harmonisiertes Reporting umfassen die Vorgaben des ETH-Rats an die Institutionen zusätzlich folgende Elemente:

  • Verdoppelung der von den Institutionen des ETH-Bereichs gesamthaft eingesetzten Mittel für Chancengleichheitsmassnahmen auf 0,4% des Finanzierungsbeitrags
  • Verstärkung und Spezifizierung des Gender Monitoring im ETH-Bereich
  • Ausrichtung der Strategien zur Förderung der Chancengleichheit der Institutionen auf Wirksamkeit
  • Zielwerte bis 2016 für die Frauenanteile auf den verschiedenen Stufen der akademischen Laufbahn
  • In Ergänzung zu den Massnahmen der einzelnen Institutionen des ETH-Bereichs unterstützt der ETH-Rat das 2007 von den Gleichstellungsbeauftragen der sechs Institutionen des ETH-Bereichs gemeinsam lancierte Frauenförderungsprogramm «Fix the leaky pipeline». Dieses Programm unterstützt Frauen in der Endphase der Promotion oder des Postdoktorats in ihrem Entscheid für eine akademische Laufbahn.

Zwischenbilanz des ETH-Rats

Der ETH-Rat ist erfreut über das Engagement der sechs Institutionen in den letzten Jahren. Er ist sich jedoch bewusst, dass eine markante Erhöhung des Frauenanteils in Führungsfunktionen und in den Natur- und Ingenieurwissenschaften erst im Kontext veränderter Rollenbilder von Mann und Frau in der Gesellschaft erreicht werden kann. Der ETH-Bereich, als wichtiger gesellschaftlicher Akteur, wird auch in den Jahren 2012-2016 seinen Beitrag dazu leisten.